
Was stellen Sie sich unter einem Korbflechter vor?
Einen alten Mann mit blauer Schürze, der mit gebeugtem Rücken und groben Händen in einer Werkstatt einen Kartoffelkorb nach dem anderen flechtet? Oder eine aussterbende Gattung von kauzigen Individualisten?
Wenn man einmal darauf achtet, begegnen einem Körbe in vielen Lebensbereichen.
Haben Sie schon einmal gesehen, was es für moderne Flechtwerke gibt?
Was man sich landläufig unter einem Korbflechter vorstellt, versuchten die Schüler der Berufsfachschule für Korbflechterei in Lichtenfels Ines, Andi und Sebastian in einer Umfrage herauszufinden.
Körbe flechten kann doch jeder - oder etwa doch nicht?
Braucht man dazu vielleicht besondere Voraussetzungen?
Sarah und Kristin fragten Leute auf der Straße.
Folgendes bekamen sie dabei zu hören:
Ein Korbmacher sollte ein gutes Augenmaß besitzen, sollte mit Werkzeug umgehen können, handwerkliches und künstlerisches Geschick besitzen, viel Phantasie haben und naturverbunden sein, da er ja vorwiegend natürliches Material verarbeitet. Es sollte auch ein guter Sinn für Qualität vorhanden sein.
Im Gespräch mit Leuten, die es wissen müssen, gingen Angelika, Monika und Marta dieser Frage nach. Flecht- und Lebenskünstler Peter Sturm, Korbflechtmeister Herr Höfner und Korbflechtmeister Schwarz äußerten ihre Meinung dazu.
Ein guter Korbflechter braucht ein gutes Augenmaß, Feingefühl, Intuition, einen Sinn für Formgebung, er sollte sauber arbeiten und flexibel und individuell auf die Kundenwünsche eingehen können. Ein gutes Gespür für modernes Design zeichnet ihn ebenfalls aus.
Dass man den Beruf des Korbmachers - oder Flechtwerkgestalters, wie er jetzt heißt - überhaupt noch in Deutschland erlernen kann, wissen viele nicht. Wie und wo das möglich ist, und was es noch dazu Interessantes gibt, erfuhr Anne-Marie im Studiogespräch mit dem Meisterschüler Michael Gurack.
Die Ausbildung zum Flechtwerkgestalter ist in Deutschland nur an einer Schule möglich. Dies ist die Staatliche Berufsfachschule für Korbflechterei in Lichtenfels. Hier kann man sich mit dem Qualifizierten Hauptschulabschluss für die Ausbildung bewerben. Die Auswahl der Schüler erfolgt nach einem Aufnahmetest.
In drei Jahren erlernt man hier Feinflechtarbeit, geschlagene Arbeit und Korbmöbelbau. Daneben gibt es die Fächer Holz- und Metallbearbeitung, Fach- und Materialkunde, Gestaltung, Fachrechnen, Sozialkunde und Deutsch. Im Gestaltungsunterricht lernt man, eigene Entwürfe zu entwickeln, die dann in der Werkstatt selbst umgesetzt werden. Im Computerunterricht wird ein Zeichenprogramm gelehrt. Im Unterschied zum traditionellen Korbmacher verschiebt sich der Schwerpunkt der Ausbildung hin zu zeitgemäßer Gestaltung. Die Ausbildung wird mit der Gesellenprüfung abgeschlossen.
Körbe werden aus Weide geflochten- oder gibt es da etwa noch mehr?
Paula, Virginia und Kristin haben sich auf den Weg gemacht, darüber mehr zu erfahren.
Im Interview mit der Lehrerin Monika Nickel erfuhren sie: es gibt außer Weide noch viele andere Materialien, die zum Flechten verwendet werden. Vorwiegend wird Naturmaterial verflochten, wobei die Weide als einheimische Pflanze den größten Raum einnimmt.
Ansonsten flechtet man auch noch mit Rattan, Peddigrohr, Binsen. Man kann auch noch viele andere Pflanzen verflechten. In verschiedenen Bereichen wird zunehmend auch mit Kunststoffgeflecht gearbeitet.
Weide kann man beim Großhändler kaufen oder selbst anbauen. Hinter der Korbfachschule gibt es ein Weidenfeld, das unsere Reporterinnen besucht haben. Sie befragten eine Schülerin, die dort mit der Ernte beschäftigt war. Hierbei erfuhren sie Interessantes über Anbau, Pflege und Ernte von Weiden. Die Stecklinge pflanzt man Ende des Winters- Anfang des Frühjahrs, wenn der Boden frostfrei ist, also dann, wenn man auch seine Kartoffeln legt. Geschnitten werden die Weiden während der Saftruhe von November bis März. Anschließend schält man die Weiden. Sie werden dann sortiert, gebündelt und getrocknet und bis zur weiteren Verarbeitung dunkel gelagert ...
Die Hände sind das wichtigste Werkzeug eines jeden Handwerkers.
Was ein Korbmacher außerdem noch zum Arbeiten braucht, stellten Katharina, Monika und Silke vor.
Welches Werkzeug man verwendet, richtet sich danach, was für ein Geflecht man ausgewählt hat. Wer Feingeflecht herstellen möchte, braucht dazu einen Weidenspalter, um die Weide in drei Teile zu spalten. Als nächstes wird der Weidenhobel gebraucht, um die drei Teile auf die richtigen Maße zu hobeln. Die Kluppe ist ein bewegliches Holzgestell, das die Holzform trägt und eine bequeme Arbeitshöhe ermöglicht. Die Holzform dient der Formgebung während des Flechtens. Das Geflecht wird darauf mit kleinen Nägeln fixiert. Am Schluss wird das fertige Geflecht von der Form abgenommen.

Der Feinflechter braucht auch noch viele andere kleine Werkzeuge, wie Messer, Schere, Pfriem usw.
Beim Flechten mit ganzen Weiden verwendet man noch zusätzlich ein Schlageisen, um das Geflecht zu verdichten.
Dass ein Korbmacher weit mehr als einfach nur Körbe flechten kann, haben Sarah und Kristin zwar schon gewusst.
Wie vielfältig die Produkte allerdings wirklich sind, konnten sie feststellen, als sie verschiedene Korbmacher besuchten.

Von Miniaturkörben im Maßstab 1:20, die der Korbmachermeister Waldemar Backert kunstvoll fertigt, reicht die Palette über die verschiedensten Gebrauchskörbe bis hin zu Garten- und anderen Sitzmöbeln.
Auch in der Innenarchitektur wird Geflecht zunehmend verwendet und der künstlerischen Gestaltung von Flechtwerken sind nahezu keine Grenzen gesetzt.
Flechten ist das älteste Handwerk der Menschheit. Wie sich das Handwerk im Laufe der Zeit entwickelte, fanden Melanie und Hans- Henning heraus. Dazu recherchierten sie auf verschiedene Weise und führten auch ein Gespräch mit dem ehemaligen Lehrer und stellvertretenden Schulleiter Herrn Popp.
Die Berufsfachschule für Korbflechterei in Lichtenfels ist heute die einzige Ausbildungsstätte für Flechtwerkgestalter in Deutschland. Hier in Oberfranken hat das Korbmacherhandwerk eine jahrhundertlange Tradition.
Kann man davon überhaupt noch leben? Das ist eine häufig gestellt Frage, die man als angehender Flechtwerkgestalter oft zu hören bekommt.
Wohin geht es in Zukunft mit diesem Beruf?
Im Gespräch mit dem Obermeister der Bayerischen Korbmacherinnung, Bernd Witzgall versuchten Ines und Hannes, diese Frage zu klären.
Wichtiger denn je ist für einen selbständigen Korbmacher der eigene individuelle Stil sowie flexible Anpassung an die Bedürfnisse der Kunden. Einzelanfertigungen von Körben gehören ebenso dazu wie Gartenarchitektur.
Das Arbeiten in einem größeren Flechtbetrieb ist heute eher selten. Chancen bieten sich im Bereich der Gestaltung mit Geflechten in der Architektur.
Auch im pädagogischen Bereich gibt es Tätigkeitsfelder, wie zum Beispiel in verschiedenen Therapiebereichen.
