
Wir betreten den Laden.
Die Arbeitsplätze des Meisters und des Lehrlings befinden sich im hinteren Teil des Verkaufsraums. Auffällig sind die sogenannten Felle unter den Tischen, die den, bei der Arbeit entstehenden Goldstaub auffangen, und den Schoß des Schmiedes vor herunterfallender Glut schützen.
Angefangen bei den Arbeitsmaterialien bis hin zu Lötgerät und Werkzeugen, wie Zangen und Feilen, herrscht hier ein geordnetes Chaos. Kaffee gibt den nötigen Antrieb.
Unsere Neugier führt uns die Treppe hinunter (dem kleinen Werkstatthund Pauli entgeht nichts). Unten angelangt finden wir uns in einer erweiterten Werkstatt wieder, für die oben kein Platz mehr ist.
Hier steht die oft benutzte Poliermaschine, mit der das fertige Schmuckstück seinen finalen Glanz erhält. Ein altes Goldschmiedesprichwort lautet: "Wenn's in der Nase kitzelt, gibt's Geld". Polieren ist eine sehr staubige Angelegenheit und der letzte Schritt in der Herstellung eines Schmuckstückes, also wird es anschließend (hoffentlich) verkauft.
Aus dem Giftschrank, ordnungsgemäß nicht in Augenhöhe, grinsen uns die Totenköpfe entgegen. Hier stehen Säuren und Laugen, die man zur täglichen Arbeit braucht.
Auf dem Schrank finden wir die Ringweitemaschine, mit der man zum Beispiel Eheringe schnell und einfach dehnen oder stauchen kann. Daneben steht die Graviermaschine, die mit Hilfe einer Vielzahl von Schriften und Buchstaben aus der Schublade, Schmuckstücke mit Namen oder Daten versieht.
In weiteren Schubladen finden wir zahlreiche Gussmodelle, die sich sowohl in Silber als auch in Gold oder Platin vervielfältigen lassen.
Darüber ist der Platz der Kugelpunzen und der Kugelanke, mit deren Hilfe man runde Blechscheiben zu Halbkugeln und Schalen klopfen kann.
Daneben steht das galvanische Rhodiumbad, welches speziell Weißgold einen strahlenden Glanz verleiht.
Unter einer Abzugshaube befindet sich die Schmelze. In einem Schmelztiegel kann man Metalle einschmelzen, oder zum Beispiel Gold legieren (Feingold plus Feinsilber plus Kupfer) und dann in einem Schmelzblock zu Stangen oder Platten gießen.
In der Walze werden diese Stangen oder Platten dann auf die gewünschte Stärke gewalzt.
Mit der Ziehbank kann man aus den Stangen Drähte in verschiedene geometrische Formen (rund, vierkant, oval, dreieckig etc.) und Stärken ziehen.
Ihr seht: Goldschmieden ist ein sehr vielseitiges Handwerk, oder ist es doch eine Kunst? Ein Kunsthandwerk, denn man braucht geschickte Hände und Kreativität und vor allem viel, viel Geduld.
